ORCHESTERWERKE: SYMPHONIE
Taschenpartitur
Aufführungsmaterial
Werkbeschreibung
Notenbeispiel
François Joseph Gossec
(1734-1829)
Symphonie á 17 parties
F-dur, Sac Geanu (Brook) 91

herausgegeben von Josef Wagner

Taschenpartitur
Titelblatt: "Symphonie a 17 parties, F-Dur" von Francois Joseph Gossec
Diese Taschenpartitur hat ein
gelbes Titelblatt
mit schwarzem Aufdruck.
Format: 22,4 x 16,6 cm
Handelspreise ohne Mwst.!
Preis der Taschenpartitur:No.07P/542EUR 12,21
Aufführungsmaterial
Von diesem Werk haben wir das Aufführungsmaterial erstellt!
Preis der Dirigierpartitur:No.07D/542EUR 29,07
(Format: A4, 29,7 x 21cm, 70 Seiten, spiralisiert)
Die Dirigierpartitur ist nur bei gleichzeitiger Bestellung des Orchestermaterials käuflich erwerbbar.
Verleihpreis für das Orchestermaterial:
1 AufführungEUR 365,-
2 AufführungenEUR 485,-
Die Preise gelten für eine kammermusikalische Aufführung bis zu 300 Zuhörer. Bei größerem Publikum bitte den Preis für zwei Aufführungen berücksichtigen!
Im Verleihpreis inbegriffen ist eine weitere Partitur im Format A4!
Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen dazu haben!
Werkbeschreibung
Das symphonische Schaffen Gossecs wie auch der anderen früheren Revolutionskomponisten hatte lange darnieder gelegen. Durch die Revolution war das Publikum der Abonnementkonzerte ausgeblieben. Gossec, der noch 1792 seine Symphonien op. 13 drucken lassen konnte, entwarf 1791/1792 die Urfassung seines späteren Meisterwerks, ließ es aber fast vollendet liegen.
Als ein in der jungen Republik (1793) geschaffenes Werk ist François Deviennes Symphonie "Bataille de Gemappes" eher ein Tongemälde, etwas später (1795) bewies Othon Joseph van den Broek immerhin schon programmatischen Ehrgeiz bei "La Prise de la Bastille" (Wagner 1999). Doch erst 1797 wagte Etienne-Nicolas Méhul wieder einen absolut-symphonischen Versuch, von dem leider nur Fragmente erhalten geblieben sind (Charlton 1982). Der Ehrgeiz der einstigen Revolutionskomponisten verlagerte sich auf die Oper, scheinbar fand man mit Haydns Symphonien das Auslangen.
Es bedurfte offenbar der Impulse ausländischer Komponisten, um auf das Genre wieder aufmerksam zu werden. Ignaz Pleyel war 1796 nach Paris übersiedelt, hatte dort seinen erfolgreichen Verlag gegründet und noch einige Symphonien komponiert. Antonin Rejcha hatte sich erstmals 1799 - 1802 in Paris aufgehalten, dorthin fünf Symphonien aus Hamburg mitgebracht oder neu geschaffen - zwei davon wurden sogar gedruckt. 1808 nahm er aus Wien noch fünf weitere Symphonien mit, als er sich in Paris endgültig niederließ (Sotolovà 1977). Mozarts Spätwerke und Beethovens Symphonien Nr. 1 und 2 wurden am Conservatoire gespielt (Pierre 1900).
Das Erbe der Revolution selbst war inzwischen im Prunk und Pulverdampf des bonaparteschen Cäsarismus fast in Vergessenheit geraten. Die Marseillaise war verboten, der Bastillesturm schon längst kein Feiertag mehr. Wendige "Jakobiner" wie Fouché und David standen im Dienste des Kaisers, und die Siege, die Kriegskonjunktur, Kriegsgeschäfte und Kriegsbeute ließen die Gewinnler das Verbluten von Frankreichs Söhnen gerne in Kauf nehmen. Einstige Revolutionskomponisten schrieben bombastische Huldigungs- und Siegeskantaten, andächtige Messen oder harmlos-unpolitische Opern.
Gossec blieb dagegen der Revolution treu und komponierte nicht für deren Usurpator, sondern beschränkte sich nur auf das Unterrichten am Conservatoire. 1808 hatte dort Méhul seine erste Symphonie zur Aufführung gebracht, 1809 die zweite und dritte Symphonie. Vor allem aber lag der Bastillesturm genau 20 Jahre zurück, und Gossec knüpfte an seinem symphonischen Vorhaben von 1792 an und schrieb eine neue Partitur nieder.
Das im Nachlaß aufgefundene Autograph zeigt die saubere und sichere Handschrift des geistig frischen Meisters, der ähnlich wie Beethoven um äußerste Klarheit und Kompaktheit bemüht war. Ganze Passagen des zweiten Satzes wurden nachträglich ausgestrichen.
Der erste Satz läßt Gossecs "Invocation" zu Voltaires Triumph von 1791, jenes großartige deistische Gebet an den Gott der Freiheit zu einem Text von Maríe-Joseph Chénier anklingen, in dem um Frieden, Freiheit, Tugend und Aufklärung gebetet wird. Der zweite Satz ist dagegen lyrisch und idyllisch gestimmt, ganz im Kontrast zur glanzvollen weltstädtischen Feierlichkeit.
Die als dritter Satz erst 1809 hinzugefügte Menuettfuge ist eine kontrapunktische Meisterleistung, dabei nicht etwa trocken akademisch, sondern expressiv und kraftvoll. Der vierte Satz führt wieder in die Jahre der Revolution zurück, holt nochmals die revolutionären Volks-feste, den Tanz um den Freiheitsbaum und das antiaristokratische "Ça ira" ins Gedächtnis (Wangermée 1970).
Gossecs Menuettfuge dürfte Méhul 1810 zum 3. Satz seiner 4. Symphonie, einem "menuet écrit in canon", angeregt haben. Dennoch dürfte spätestens 1811 der "Schock" der Pariser Erstaufführung von Beethovens "Eroica" für die symphonischen Ambitionen der einheimischen Komponisten eine - heute unverständliche - Ernüchterung bedeutet haben: Méhul zog seine dritte Symphonie vom Druck zurück, und über Aufführungen von Gossecs Symphonie ist nichts bekannt. In den Konzerten des Conservatoire (Pierre 1900) war die Symphonie für 17 Stimmen nie gegeben worden, mit François-Antoine Habenecks Leitung (ab 1828) war Gossec praktisch schon in Vergessenheit geraten.
Frühere "Ausgaben" (Clauser 1966) sollten nicht näher erwähnt werden, denn nach fast zweihundert Jahren folgt der nun vorliegende Erstdruck erstmals werkgetreu dem Autograph, um der bedeutendsten Symphonie Gossecs ihren verdienten Platz im Repertoire zu sichern.
Dr. Heinz Anderle Dr. Heinz Anderle ist wissenschaftlicher Berater des Musikverlages Wolfgang Kiess. Er ist Initiator der vorliegenden Serie von Werken.
Notenbeispiel
Symphonie, F-dur, Maestoso, Partitur
Symphonie a 17 parties in F-Dur von Francois Joseph Gossec, Partitur
copyright: Wolfgang Kiess updated: